Daniela Mayer leitet seit 2023 bei Banijay Germany Live das COLOGNE COMEDY FESTIVAL. Mit der Comedy | Future | Convention am 2. und 3. November bringt sie gemeinsam mit den Teams von Banijay Germany Live, Bühnenkunst Uhlhaas und dem Comedy for Future e.V. die Comedy-Live Branche zusammen, um über die Themen zu sprechen, die Veranstalter, Managements und Künstler aktuell beschäftigen – von Social Media und KI über KSK und GEMA bis zu Nachhaltigkeit und politischer Haltung. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum Austausch gerade jetzt so wichtig ist.
Daniela, warum braucht die Comedybranche gerade jetzt eine eigene Future Convention?
Der Impuls zu einer Convention ist tatsächlich bei mir schon während Corona entstanden. Ich habe vorher viele Jahre in der Comedy-Szene gearbeitet, unter anderem beim WDR und Deutschlandfunk, und damals hat sich sehr deutlich gezeigt: Es gab zumindest zu diesem Zeitpunkt keinen klassischen Verband oder eine zentrale Stelle, an die man sich wenden und über die man sich austauschen konnte.
Im letzten Jahr bin ich dann auf Claudia Ulhaas von Bühnenkunst zugegangen, um die Idee gemeinsam mit ihrem Team, dem Comedy for Future e.V. und dem Team von Banijay Germany Live im COLOGNE COMEDY FESTIVAL umzusetzen. Auch um zu zeigen, hier gehen bereits verschiedene Veranstalter*innen zusammen, um etwas zu bewegen.
Natürlich gibt es auch in unserer Branche ein starkes Konkurrenzdenken, der Markt ist hart umkämpft. Aber Corona hat gezeigt, dass man ab einem bestimmten Punkt zusammenarbeiten muss, um gemeinsame Probleme zu lösen.
Die Branche ist außerdem eine sehr stressige Branche für alle Beteiligten. Da tut es manchmal schon gut zu hören, dass die anderen gerade genauso rotieren. Und es gibt viele ganz praktische Fragen: Wie macht ihr das mit der KSK? Wie funktioniert bei euch die GEMA? Welchen Ticketanbieter nutzt ihr? Wo bekommt ihr rechtliche Unterstützung? Wir können in unserer Branche wunderbar miteinander trinken und feiern. Aber wir sollten uns auch über solche Themen stärker austauschen und uns gegenseitig unterstützen.
Was erwartet die Besucher bei der Comedy | Future | Convention konkret?
Im vergangenen Jahr haben wir die Convention zum ersten Mal in einem kleinen Rahmen veranstaltet – mit einem Panel und kostenfrei. Wir wollten die Szene zunächst einmal zusammentrommeln. Das kam sehr gut an, und deshalb haben wir gesagt: Jetzt ziehen wir das Ganze als Convention auf, so zusagen als Fort- und Weiterbildungsevent für die Comedy-Live-Branche.
Die Convention findet im NightWash Club statt, für rund 120 Gäste. Und in diesem Jahr haben an den beiden Tagen ein wirklich umfangreiches Programm, mit 8 Panels und über 30 Speaker*innen, moderiert von Sandra Sprünken. Dabei geht es unter anderem um KSK, GEMA, Versicherungen, Nachhaltigkeit, Social Media, KI, Ticketing, Nachwuchsförderung und politische Themen.

Uns war wichtig, Menschen auf die Bühne zu holen, die wirklich etwas zu den jeweiligen Themen sagen können. Mit dabei ist beispielsweise CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit, die darüber referiert, wie der Rechtsruck in Deutschland auch die Kultur bedroht.
Zum Thema „KI in der Comedy – Risiken und Chancen“ haben wir u.a. Rechtsanwalt Prof. Christian Solmecke eingeladen. Über den Punkt „Ticketing – Vor- und Nachteile der verschiedenen Anbieter“ berichten u.a. David Oelschlägel von Ticketmaster und Ingrid Langheld von Banijay Germany Live. „Comedy for Future – wie können wir in Zukunft klimaneutral veranstalten?“ ist ein weiteres Thema, dem sich u.a. Stefan Löcher von der LANXESS Arena annehmen wird. Und wir sprechen mit Johannes Everke vom BDKV, wie wichtig der Zusammenhalt der Branche, auch in einem Verband ist.
Die Convention kann natürlich nicht jedes Thema abschließend lösen. Aber wir können Fachleute vorstellen, Kontakte herstellen und dafür sorgen, dass der Austausch danach weitergeht. Und manchmal entstehen daraus ganz konkrete Ideen. Bei der Vorbereitung zu dem Versicherungs-Panel kam beispielsweise bereits die Frage auf, warum es keine passenden Angebote für kleinere Veranstaltungen unter 1.000 Besucher gibt. Genau solche Diskussionen wollen wir anstoßen.
Das von Dir gerade genannte Thema „Politik & Haltung – Rechtsruck gegen freie Kultur“ geht weit über die Comedybranche hinaus. Was beschäftigt euch daran?
Uns geht es darum, sehr konkret zu betrachten, was politische Veränderungen für Kultur und Veranstaltungen bedeuten können. Was passiert beispielsweise mit Fördergeldern? Wie werden kommunale Räume vergeben? Kommt ein bestimmter Künstler künftig noch in eine Stadthalle, wenn die politischen Mehrheiten dort andere sind?
Das betrifft Veranstalter ganz unmittelbar. Und natürlich stellt sich auch die Frage nach der eigenen Haltung: Kann und will ich einen Künstler noch veranstalten, wenn er politisch deutlich nach rechts abdriftet? Kann ich sagen, in dieser Halle möchte ich nicht veranstalten, wenn am Tag vorher die AFD ihren Parteitag in der Halle abgehalten hat? Das ist einerseits eine Frage der persönlichen Überzeugung, aber eben auch eine wirtschaftliche Frage.
Eine Entwicklung finde ich dabei besonders problematisch: dass Künstler möglicherweise immer unpolitischer werden, weil sie Angst haben, sich mit einer Position angreifbar zu machen. Friedrich Herrmann, der als Künstler und Veranstalter viel in Thüringen unterwegs ist und bei unserem Panel dabei sein wird, beobachtet genau das.
Früher gab es gerade im Kabarett eine starke Tradition, sich politisch einzumischen. Wenn heute aus Sorge vor möglichen Reaktionen überhaupt keine Position mehr bezogen wird, halte ich das für eine schwierige Entwicklung. Darüber müssen wir reden.
Social Media spielt für Künstler eine immer größere Rolle. Wie verändert das die Comedybranche?
Followerzahlen allein sagen noch nicht viel. Entscheidend ist, ob jemand eine aktive Community hat und diese auch aktivieren kann. Wenn das gelingt, bekommt man auch jüngere Menschen in die Säle. Denn wenn ein Comedian seine Community wirklich erreicht und seine Tour oder einzelne Städte bewirbt, hat das häufig einen viel größeren Effekt als das, was wir als Veranstalter über unsere eigenen Kanäle erreichen können.
Auf der Convention wollen wir das Thema aber noch aus einer anderen Perspektive betrachten. Die klassischen Social-Media-Fragen wurden inzwischen sehr oft diskutiert. Deshalb fragen wir: Gibt es eigentlich Alternativen zu Meta und den großen Plattformen?
Dazu bringen wir bewusst unterschiedliche Positionen zusammen. Auf der einen Seite stehen alternative Netzwerke, in denen teilweise zwar kleinere, aber dafür sehr eng verbundene Communities entstehen. Auf der anderen Seite steht die pragmatische Frage: Verkauft man darüber tatsächlich Tickets? Genau diese Diskussion finde ich spannend.
Wenn die Besucher am Ende der Convention nach Hause gehen: Was wäre für dich das beste Ergebnis?
Im besten Fall gehen sie mit drei Gedanken nach Hause.
Der erste ist: Das war ein Thema, über das ich schon lange einmal sprechen wollte. Gut, dass wir hier zusammengekommen sind.
Der zweite: Jetzt kenne ich Ansprechpartner und weiß, an wen ich mich wenden kann, wenn ich an diesem Thema weiterarbeiten möchte.
Und der dritte Gedanke ist eigentlich unser Motto: Better Together. Die anderen haben dieselben Probleme. Also lasst uns darüber sprechen: Wie geht ihr mit KI um? Wie macht ihr Social Media? Wie funktioniert bei euch Ticketing? Wie fördert ihr Nachwuchs?

Wenn dieser Austausch nach der Convention weitergeht, haben wir schon sehr viel erreicht. Und natürlich wäre es schön, wenn alle sagen: Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen. Denn die Convention soll keine einmalige Geschichte bleiben.
In diesem Jahr findet die COMEDY | FUTURE | CONVENTION am 2. und 3. November im NightWash Club, Köln statt. https://comedy-future-convention.de/
Fotos: Guido Schroeder, Steffen Z Wollf

Kerstin Meisner-Schaul
Herausgeberin, Chefredaktion. Netzwerkerin der Eventbranche mit absoluter Leidenschaft für Live-Kommunikation.
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