„Ich habe es mir nicht ausgesucht, Artist zu werden. Die Artistik kam vielmehr zu mir, als ich noch ein Kind war“, sagt Misha. Heute blickt der gebürtige Ukrainer bereits auf einige Erfolge in seiner jungen Laufbahn als Rola-Bola- und Juggling-Artist zurück. Wir sind auf der GauklerFESTung Koblenz 2026 auf ihn aufmerksam geworden und waren sofort von seinem Talent überzeugt, sodass wir ihm den Sonderpreis verliehen haben. In einem Interview nimmt uns Misha mit in seine Geschichte und bisherigen Erlebnisse als Berufsartist.
Mit 8 Jahren startete Mishas Weg in die Artistik
„Ich war schon immer sehr agil, aktiv und offen und habe in meiner Kindheit viele Aktivitäten ausprobiert“, berichtet der Rola-Bola-Artist. Mit acht Jahren schon hat er seinen zukünftigen Coach kennengelernt: „Ich war mit meinem Vater beim Barbier. Dort haben wir einen Lehrer der örtlichen Zirkusschule kennengelernt. Kurz darauf habe ich im Zirkus angefangen. Zunächst einfach nur aus Spaß.“

Sein Weg führte ihn von der Ukraine nach Deutschland
Beim Spaß ist es geblieben, aber nicht nur. Nach seinem Schulabschluss beschloss Misha, die Circus Academy in der Ukraine zu besuchen, um seinen Weg als Berufsartist einzuschlagen. Dort legte ihm sein Coach ans Herz, sich bei der Staatlichen Artistenschule in Berlin zu bewerben, wo er angenommen wurde.
Ende September 2022 kam er dann nach Deutschland – sieben Monate, nachdem der Krieg in der Ukraine ausgebrochen war. „Damals war ich mir in Bezug auf alles sehr unsicher. Ich hatte gerade die reguläre Schule abgeschlossen und mein Studium an der Akademie in Kiew begonnen. Ich war dort erst etwa zwei Wochen, als meine Eltern und ich beschlossen, dass ich nach Deutschland ziehen sollte“, so Misha. „Alles ging sehr schnell, und gleichzeitig war die Lage in der Ukraine sehr ungewiss. Es war also eine ziemliche Umstellung für mich, und ich wusste nicht recht, was mich erwarten würde.“
Mishas Start an der Staatlichen Artistenschule Berlin
Trotz allem fasste er den Mut, nach Deutschland zu ziehen. Und als wäre die Ausbildung an der Schule in Berlin nicht schon herausfordernd genug, studierte Misha weiterhin remote an der Academy in seiner Heimatstadt weiter und hielt sich parallel mit Nebenjobs finanziell über Wasser.
„Ich war es aus meiner Heimat schon gewöhnt, hart zu arbeiten“, sagt der heute 21-Jährige. „Die größte Herausforderung in Deutschland lag darin, dass für mich alles neu war, vor allem die Sprache. Ich konnte kein Wort Deutsch. Zum Glück war ein Freund von mir bereits seit einem Jahr ebenfalls auf der Schule in Berlin, sodass ich jemanden hatte, an den ich mich halten konnte.“ Fortan bestand sein Alltag aus studieren, Englisch lernen, arbeiten und trainieren, trainieren, trainieren.
Angefangen mit Jonglage, dann Rola-Bola-Artistik
Angefangen hatte sein artistisches Dasein mit der Jonglage. Doch im Laufe der Zeit spürte er, dass ihm etwas fehlt – bis er auf die Disziplin Rolla Bolla stieß. „Ich habe sofort gespürt: Das ist meins“, berichtet Misha. Anfangs waren seine Acts noch sehr traditionell. „Irgendwann habe ich dann angefangen, mehr zu experimentieren und moderne Elemente einzubauen. Der Regisseur der Absolventenshow unserer Schule, Rodrique Funke, war dafür eine große Motivation für mich.“
Er erinnert sich daran, dass er vor einigen Jahren einen der bekanntesten Rola-Bola-Artisten, Vladimir Omelchenko, auf YouTube bewunderte. Heute kennt er ihn persönlich, und sie trainieren sogar miteinander. Einer seiner bisher größten Erfolge ist, dass er nun selbst den Rola-Bola-Act beherrscht und aufführt, den weltweit bisher niemand außer seinem Vorbild auf Bühnen präsentierte: eine Jonglage mit fünf Keulen auf sieben Rollen! Ein Act, der pure Präzision und Hochspannung erfordert.

Mishas Ziel auf der Bühne: positive Energie versprühen
Mit seinen Shows verfolgt Misha vor allem ein Ziel: das Publikum zu begeistern und ihm für den Moment des Geschehens positive Energie und Spaß zu schenken.
„Ich bin voller Energie und genau die möchte ich auf mein Publikum übertragen“, so der Rola-Bola-Artist. Dass er das schafft, haben wir im Juli auf der GauklerFESTung in Koblenz selbst erleben dürfen. Seine nächste Station ist ein Arrangement mit dem Tigerpalast in Frankfurt. Dort wird er sechs Monate lang für das Wintervarieté auf der Bühne stehen.
Auf die Frage, was sein größter Traum als Artist ist, antwortet er: „Meinen Kindheitstraum, mit dem Cirque du Soleil aufzutreten, habe ich mir bereits erfüllt. Im November und Dezember 2025 war ich Teil der Christmas Show. Was aber auf jeden Fall noch auf meiner Wunschliste steht, sind weitere Auftritte auf internationalen Festivals und im Palazzo.“
Paradebeispiel für Ehrgeiz, Energie und Freude am Schaffen
Vergangenes Jahr absolvierte Misha seinen Abschluss an der Staatlichen Artistenschule Berlin. In diesem Jahr folgte sein Abschluss an der Circus Academy in der Ukraine. Zwei hochrangige Abschlüsse, die dem Artisten den Weg in eine erfolgreiche Karriere ebnen. Für uns ist Misha ein Paradebeispiel dafür, was man mit Ehrgeiz, Energie und Freude an seinem Schaffen erreichen kann.
Herzlichen Glückwunsch, Misha, wir freuen uns, dass wir dich mit dem showcases-Sonderpreis ausgezeichnet haben und wünschen Dir viel weitere internationale Engagements.
Beitragsbild: ©Uwe Hauth 2026
Redaktion showcases
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