Wie misst man den Wert von Kultur? Über Besucherzahlen, verkaufte Tickets und Umsätze? Das sind wichtige Größen. Aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Was ist mit kultureller Teilhabe, fairen Arbeitsbedingungen, öffentlichem Raum oder dem, was eine Aufführung in einer Stadtgesellschaft auslöst?
Das UNESCO Institute for Statistics (UIS) hat am 23. September 2026 einen Entwurf für einen neuen internationalen Indikatorenrahmen veröffentlicht. Er soll helfen, kulturelle und kreative Ökosysteme differenzierter zu erfassen. Grundlage ist das UNESCO-Rahmenwerk zur Kulturstatistik von 2025.

Mehr als die Bilanz eines Festivals
Der Vorschlag unterscheidet sechs gleichwertige Bereiche: kreative Produktion, kulturelle Teilhabe, wirtschaftlicher Wert, Fähigkeiten und soziale Gerechtigkeit, Umwelt und Infrastruktur sowie politische Rahmenbedingungen. Auch informelle Kulturarbeit, gemeinschaftliche Angebote und digitale Kulturformen sollen in den Blick kommen.
Für die Livekultur ist das ein interessanter Ansatz. Eine Straßentheaterproduktion verändert einen öffentlichen Platz, ohne dass sich ihr Erfolg allein am Ticketumsatz ablesen ließe. Ein Festival kann Menschen erreichen, die sonst selten kulturelle Angebote nutzen. Und eine Bühne kann für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler ein entscheidender Entwicklungsschritt sein. Das sind Leistungen, die in klassischen Wirtschaftszahlen leicht untergehen.
Zahlen helfen – aber sie sind nicht die ganze Wahrheit
Natürlich wird auch ein ausgefeiltes Indikatorensystem nicht messen können, was ein einziger künstlerischer Moment bei einem Menschen bewirkt. Zudem sind viele der vorgeschlagenen Kennzahlen noch in der Diskussion. Entscheidend wird sein, ob daraus praktikable Instrumente entstehen – und nicht die nächste Berichtspflicht für ohnehin knappe Kulturbudgets.
Gerade deshalb lohnt es sich, dass sich Kulturschaffende und Veranstaltende jetzt einmischen. Die UNESCO bittet ausdrücklich auch Praktikerinnen, Kulturorganisationen und Verbände um Rückmeldungen. Die Konsultation läuft bis zum 16. Oktober 2026; ein ausführliches Methodenhandbuch soll 2027 folgen.
Zum Nachlesen und Mitmachen: UNESCO-Mitteilung mit Zugang zur Konsultation und der vollständige Entwurf als PDF.
kerstin@km-hub.de
Kerstin Meisner ist Unternehmerin, Netzwerkerin und Herausgeberin des Fachmagazins showcases. Seit mehr als 25 Jahren bewegt sie sich an der Schnittstelle von Livekultur, Eventwirtschaft und Kommunikation. Sie bringt Menschen zusammen, macht Künstler sichtbar und entwickelt Ideen, die über den nächsten Event hinausreichen. Mit ihrer Beratung und ihrem Engagement für GoFor!Artists setzt sie sich für neue Wege in der Künstlervermittlung und eine lebendige Veranstaltungsbranche ein.
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